Sehnsucht Mythos Patagonien

„Das Wort  „Patagonien“ setzte sich in der abendländischen Phantasie als eine Metapher für das Äußerste fest, den Punkt, über den man nicht hinausgehen konnte…“  Bruce Chatwin

 Ist Patagonien wirklich ein südamerikanisches Shagri La? Gibt es tatsächlich nichts mehr, was dann kommt? De facto ja, aber in unserem Kopf wahrscheinlich nicht. Bruce Chatwin, der selbst ganz ordentlich den Mythos Patagonien inszeniert hat, deutet es an, Patagonien ist das Ende der bewohnbaren Welt, das Äußerste. Es ist verwunschen, vergessen und umwoben von Legenden. So wie  vor Jahrhunderten, als man noch glaubte, im Land der Araukarier wachsen die Bäume nach unten. Man sollte Chatwin nicht als Reiseträumer abtun, denn er formuliert genau das, was immer noch alle Reisenden und Abenteurer in Patagonien suchen: Eine Welt der unendlichen Einsamkeit, der wildesten und rauesten Natur, der schweigsamen und verlorenen Menschen. Jenen Flecken Erde, von dem aus es nicht mehr weitergeht, das Ende oder der Rand der Welt. Ein Finisterra, ein Mythos. Chatwin hat den Mythos Patagonien mit Menschen bevölkert. Skurril und eigenwillig, vielleicht nicht immer ganz wahrheitsgemäß, aber sympathisch, wie in der Geschichte von der Überfahrt über die Magellanstraße, in der die Frau ihrem Mann im Lastwagen die Mortadellascheiben auf die Zunge legt… Vor Chatwin war Patagonien fixiert auf die Landschaft, die raue Unwirtlichkeit, das Unentdeckte, den peitschenden Wind und die endlosen Gletscher. Patagonien ist ein fernes Land, so fern vielleicht wie die innerste Taiga Russlands, die einsamste Steppe Chinas, die dichtesten Wälder Kanadas oder die vergessensten Täler des Himalaya. Das ferne Land Patagonien jedoch ist bewohnt. Desolación nennt man es vor Ort, das Leben in der Abgeschiedenheit. Wir Reisenden, die wir vorrangig unsere Vorstellungen bestätigen wollen, werden damit nicht konfrontiert. Denn an den Traumplätzen Patagoniens kennt man keine Einsamkeit. Die Endlosigkeit Patagoniens ist offensichtlich, der Mythos der Einsamkeit aber ein Traum in unserem Kopf.

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